Glockenturm Arnsdorf

Im Jahr 1919 erhielt die Arnsdorfer Kirche ihre 3 neuen Glocken. Sie bekamen ihren Platz in dem zu diesem Zweck neu errichteten Glockenstuhl neben der Kirche. Früher wurden die Glocken durch die Konfirmanden geläutet. Heute übernimmt dies ein programmierter Motor per Fernbedienung.
Hier einige Inschriften der Glocken:
| Sterbeglocke (große Glocke, oberer Rand) | Verbum domine manet in aeternum (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit). Eine Seite: Wir drei werden in schwerer Kriegszeit der Kirche zu Arnsdorf, anstelle der aus den Jahr 1628 und 1796 stammenden zwei Glocken, die dem Vaterland 1917 geopfert wurden, vom Kirchvorsteher Bruno Häse hier geschenkt und ertönten zum ersten Male zur Ehre Gottes am Erntedankfest 1918. |
| Gebetsglocke (mittlere Glocke, oberer Rand) | Die Himmel rühmen des ewigen Ehre. |
| Taufglocke (kleine Glocke, oberer Rand) | Ein feste Burg ist unser Gott. |
Wie schön muss es früher gewesen sein, als der Tag mit dem Krähen des Hahnes begann, der Sonnenstand die Mittagszeit vorgab, und die Abenddämmerung den Feierabend ankündigte. Spätestens im Jahr 1715 endete diese „zeitlose“ Epoche für Arnsdorf. Der Chronik von Prasser aus dem Jahr 1869 ist zu entnehmen, dass die Kirche in diesem Jahr eine Schlaguhr bekam. Eine der beiden Glocken im Turm war seitdem stündlich zu hören, bis ca. 200 Jahre später im Jahr 1917 die Glocken der Dorfkirche der Rüstungsindustrie zum Opfer fielen und eingeschmolzen wurden. Schaut man heute in den Kirchturm, findet man eine einfache gusseiserne Schalenglocke mit dem Durchmesser 58 cm, die wohl als schneller preiswerter Ersatz die alten Bronzeglocken ersetzen sollte.
Wie die Kirchenchronik berichtet, wurde im Jahr 1941 eine neue Schlaguhr gekauft, die auch heute noch ihren Dienst tut. Auf dem Gestell der Uhr findet man ein Firmenschild mit der Aufschrift „Otto Fischer Inh. J. Hummels Nachf. Erich Fiedler Turmuhrenfabrik Meissen/Sa. Nr. 754 – 1941“. Um so überraschender war im Jahr 2003 die Aussage der Fa. Vogler aus Dresden, welche zur Wartung der Uhr beauftragt wurde, dass das Uhrwerk tatsächlich ein Fabrikat der Leipziger Turmuhrenfabrik Zachariä aus dem Zeitraum 1880-1900 ist. Die Meissner Firma hat demnach 1941 nur das gebrauchte Uhrwerk überholt und auf dem Dachboden der Arnsdorfer Kirche aufgebaut.
Die Uhr besteht aus zwei Werken, links das Schlagwerk und rechts das Zeitwerk. Vom Zeitwerk geht eine senkrechte Welle hoch in den Turm, um die Zeiger der beiden Ziffernblätter anzutreiben. Weiterhin aktiviert das Zeitwerk jede Stunde über einen Hebel das Schlagwerk, welches den Hammer an der Glocke betätigt. Im Jahr 2007 wurde an der Uhr ein automatischer, elektrischer Gewichtsaufzug nachgerüstet.


Eine weitere Turmuhr befindet sich in der alten Arnsdorfer Grundschule. Der Bau des Schulgebäudes wurde 1903 beschlossen und im Jahr 1904 fand die Einweihung statt. Trotz der zusätzlichen Kosten stimmte der damalige Gemeinderat dem Einbau einer Uhr im Giebel der Schule zu, da sich die Arnsdorfer nicht mehr nur am Glockenschlag der Kirche orientieren, sondern mit dem Blick auf die Schuluhr „in der Zeit leben“ sollten. Im Gegensatz zur Kirchturmuhr hat sie kein Schlagwerk und ist deshalb wesentlich kleiner. Vor Verschmutzung geschützt steht sie in einem quadratischen Uhrenschrank auf dem Dachboden der Schule, ein paar Meter vom Ziffernblatt entfernt. Die kleinste der Arnsdorfer Turmuhren wurde von Uhrmachermeister Otto Richter aus Radeberg gebaut. Dieser hatte zu jener Zeit sein Geschäft auf der Hauptstraße 14. Als im Jahr 2011 eine Renovierung des Schulgebäudes erfolgte, wurde auch bei dieser Uhr der mechanische Gewichtsaufzug mit einer Automatik nachgerüstet.
Im Jahr 1912 wurde die sächsische Landesanstalt eröffnet. Das Hauptgebäude an der Hufelandstraße erhielt einen großen rechteckigen Turm, in welchem eine weitere Schlaguhr eingebaut wurde. Diese ist seit dem die größte der Arnsdorfer Uhren und besitzt 4 Ziffernblätter mit einem Durchmesser von je 1,8m. Da sich die Krankenhauskirche in direkter Nachbarschaft befindet, wurde bei ihr auf den Einbau einer weiteren Turmuhr verzichtet. Die Uhr im Hauptgebäude trägt das Herstellerschild „Thurmuhrenfabrik JOHS. HUMMEL Firma: Otto Fischer MEISSEN a.E.“ und wird ebenfalls durch einen Uhrenschrank vor Verschmutzung geschützt. Sie besteht aus vier Werken, links das Schlagwerk für den Stundenschlag, danach das Schlagwerk für den Viertelstundenschlag, an dritter Stelle das Zeitwerk und rechts das Auslösewerk. Alle vier Werke werden durch je ein Gewichtsaufzug, der sich ursprünglich über zwei Etagen erstreckte, mit Energie versorgt. Bei dieser Uhr wird jede Minute das Auslösewerk vom Zeitwerk aktiviert, wodurch die Antriebswellen den Minutenzeiger an allen Ziffernblättern um eine Minute nach vorn stellt. Nach 15 Minuten wird das Schlagwerk für die Viertelstunden vom Auslösewerk über eine Stange aktiviert. Wenn dieses Schlagwerk viermal betätigt wurde, löst es wiederum das Schlagwerk für den Stundenschlag aus. In der Etage über der Uhr befinden sich die zwei Bronzeglocken des Glockenschlages, die ebenfalls die Aufschrift des Uhrenherstellers „OTTO FISCHER THURMUHRENFABRIK MEISSEN“ tragen. Die große Bronzeglocke hat einen Durchmesser von 42 cm und die kleine einen Durchmesser von 34 cm.
Auch wenn wir heute nicht mehr auf die Großuhren in unserer Ortschaft angewiesen sind, um unseren zeitlich strukturierten Alltag zu bewältigen, wäre es ein großer kultureller und historischer Verlust, wenn wir unsere Turmuhren irgendwann verlieren würden.
Quellen
- mündliche & schriftliche Auskünfte von
- Hr. Schmidt (Hausmeister der Grundschule)
- Hr. Küchler (ehem. Mitglied des Kirchvorstandes)
- Hr. Lehmann (technischer Leiter SKH)
- Fr. Motschmann (Fachkreis Turmuhren des DGC e.V.)
- Jochen Tannigel, Aus der Schule geplaudert – Schulgeschichten aus Arnsdorf Band 3, Radeberg 2011
- F. E. Praßer, Chronik von Großröhrsdorf …, Bischofswerda 1869
- Förderkreis Dorfkirche Arnsdorf, 375 Jahre Dorfkirche Arnsdorf, Arnsdorf 2013
- Anzeige Otto Richter, Neues Radeberger Echo, Nr.151 – 16.12.1903
Text: Klaus Schneider
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